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Presse

Foto: Dake / Uwe Haupt

SONNABEND, 29. APRIL 2017

„Du machst das schon, Schnuppelchen”

NEUES GERA von Fanny Zölsmann

Vom Traumzauberbaum, Waldwuffel und Moosmutzel und wie Monika Erhardt-Lakomy sie fand

„ Heute sage ich: Schade, dass ich mit dem Traumzauberbaum nicht groß geworden bin. Ich wusste gar nicht, dass es ihn gibt. Aus welchem Grund seine Blätter nicht in mein Kinderzimmer gelandet sind, lässt sich heute nicht mehr zurückverfolgen. Aber zum Glück egal, denn dank meiner Tochter schwirren nun Moosmutzel und Waldwuffel tagtäglich in unserem Auto umher.

Im September 47 wird ein Mädchen in Oßmannstedt geboren. Groß geworden im Thüringer Wald, bezeichnet sie sich selbst als komisches Kind, denn sie liebt den Wald, in dessen Dickicht sie auch allein als Heranwachsende nächtigte. Sie versinkt in unzähligen Büchern, beginnt in ihrem heimlichen Haus im Apfelbaum selbst zu schreiben.

Monika Erhardt hieß das Fräulein, welches durch die Heirat mit Reinhard Lakomy zu dessen Frau wurde. Ganz am Anfang wollte sie Architektur studieren und schlug daher das Abitur mit einer Maurerausbildung ein, doch die Mathematik wurde ihr zum Verhängnis. In der zehnten Klasse schaffte sie dann den Absprung, denn Tanzen war ihre Leidenschaft. Sie begann klassisches Ballett zu studieren. Kürzlich bekam ich sie an die Strippe und sie erzählte mir, dass sie fünf Jahre lang Ballett studierte, insgesamt 17 Jahre lang tanzte und mit ihrer Kompanie um die ganze Welt reiste. Noch während ihrer Zeit als Tänzerin begann sie ein Fernstudium der Kulturwissenschaften. „Ich habe 17 Jahre lang getanzt, aber ich hatte immer Kopfhunger. Ich habe mich für die Sprache und die Poesie interessiert und wollte mehr wissen. Der Schöpfer hat mir diese Gabe geschenkt. Heute weiß ich, sie ist nicht jedem gegeben”, so die 69-Jährige.

Seit 1981 lebt sie als freie Autorin in Berlin. Im verflixten 77. Jahr des 20. Jahrhunderts heiratete sie Reinhard Lakomy. Ein Glücksjahr für beide. Lakomy besaß unzählige Instrumente, spielte Jazz, komponierte Popsongs, elektronische Musik, Film- und Ballett-Musik. Doch der Durchbruch gelang ihm noch nicht, denn Texte schrieb er nie. Seine Idee, Lieder für kleine Hörer zu machen, schlummerte tief in ihm. Von der Muse Monika geküsst, begannen seine Songs zu reden. Denn Monika Ehrhardt schrieb unter anderem Kinderliedtexte. 1978 erscheint das erste Hörspiel „Geschichtenlieder mit Paule Platsch, dem Regentropfen”, zwei weitere Jahre später schlug der Traumzauberbaum seine Wurzeln. „Der Traumzauberbaum musste einfach entstehen. Er ist die Mischung aus meiner Verwurzelung zum Thüringer Wald und den zahlreichen Büchern, die ich selbst gelesen habe”, erzählt Monika Erhardt-Lakomy. Dass der Traumzauberbaum einen solchen Durchbruch erfahren würde und nunmehr schon fast vier Jahrezehnte lang ein Küsschen das Näschen kitzelt, daran haben wohl beide 1980 nicht geglaubt. „Er ist wie ein Kind, welches man irgend- wann beginnt loszulassen. Wir haben ihn geboren und nun ist er flügge geworden und geht seinen eigenen Weg”, beschreibt die Autorin und macht deutlich, dass es eine beeindruckende Erfahrung bleibt.

Dass der Traumzauberbaum noch nach 37 Jahren wächst und gedeiht, könnte womöglich auch an dem Geheimnis liegen, dass die Texte sowohl für Kinder als auch für Erwachsene geschrieben sind. „Auch die Eltern sollen Spaß haben und sich nicht langweilen. Zudem ist Lacky (Reinhard Lakomy) in der Musik auch nie simpel gewesen”, beschreibt sie und verrät, dass sie all ihre Werke immer für sich selbst geschrieben hat. Auch sie ist gewachsen, reifer geworden und hat dazu gelernt. Die Texte stammen aus einer faccettenreichen Lebensfeder. „Man kann Kindern alles erklären, man muss nur die richtigen Worte finden.”

Für das aktuelle Stück bringen Moosmutzel und Waldwuffel das blaue Ypsilon mit. Sie wollen den Kindern das Alphabet und die Herkunft der Buchstaben näher bringen. Das Musical „blaue Ypsilon” gibt es übrigens schon seit 1998, als Auftragswerk des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst des Bundeslandes Hessen. „Es sollte ein Musical zur Leseförderung geschrieben werden. Naja, eine Geschichte hätte ich sofort zaubert können aber ein Musiktheater? Die Geschichte erzählt, woher die Buchstaben kommen”, bringt es die passionierte Schriftstellerin auf den Punkt. Später erst, fügte das Ehe- paar den Traumzauberbaum hinzu. „Er ist zu unserem Markenzeichen geworden. Und er wird noch viele Blätter wachsen lassen”, ist sich Monika Ehrhardt-Lakomy sicher und gesteht, dass sie noch viele Ideen und Konzepte in der Schublade schlummern hat. Lakomys Welt gehört den Kindern und der Musik. Und in des Kindes Welt gehört der Traumzauberbaum. Dass dies kein unbeschriebenes Blatt ist, beweisen drei Generationen und vier Millionen verkaufte Tonträger. Zahlreiche Kitas und Schulen tragen den Traumzauberbaum in ihrem Namen. Und tief in den Wurzeln des Traumzauberbaumes versteckt sich selbst eine Kita. Sie beherbergt zehn Kinder, betreut von zwei Erzieherinnen und ist im Wohnhaus der Lakomys beheimatet. „Es war Lackys letzter Wunsch, sein großes Tonstudio den Kindern zu geben”, erklärt die Witwe. Eine der Erzieherinnen ist Olivia Winter, die bei Liveaufführungen des „Traumzauberbaums“ Moosmutzel spielt – sie wohnt auch im Obergeschoss.

Der Traumzauberbaum ist mehr als nur ein Kinderhörspiel. Es ist ein Zuhause für Große und Kleine. Er bietet Schutz und spendet Schatten, er gibt Hoffnung und vertreibt Sorgen, er lässt Gedanken frei und schenkt Momente. Der Traumzauberbaum ist ein wundersamer Begleiter fürs Leben, der das eigene Kindsein nie vergessen lässt.

 

Am Sonntag, 7. Mai, 15 Uhr, wird der Traumzauberbaum und das blaue Ypsilon auf den Bühnen der Stadt Gera aufgeführt. Monika Ehrhardt-Lakomy hat eine ganz besondere Beziehung zu Gera. Denn als Kind tanzte sie im Theater in Gera und Greiz. Aus diesem Grund lässt sie es sich auch nicht nehmen, mit dabei zu sein. Bei der anschließenden Autogrammstunde haben die Kinder und Eltern die Möglichkeit, die sicher an diesem Tag auch wieder zu Kindern werden, Monika Ehrhardt-Lakomy hautnah zu erleben. Karten gibt es an der Theaterkasse unter (8279105).

 

 

Foto: Uwe Hauth/Management

MITTWOCH, 12. APRIL 2017

Der Traumzauberbaum endet nie

VORPOMMERN KURIER

Gemeinsam mit Reinhard Lakomy hat Monika Ehrhardt-Lakomy den bekannten Traumzauberbaum erfunden. Dessen Geschichten gibt es mittlerweile nicht nur als Hörspiele, sondern auch als Kindermitmachtheater. Am kommenden Montag ist die neueste Bühnenshow mit dem Titel „Der Traumzauberbaum und das blaue Ypsilon“ in Greifswald zu Gast. Im Interview erzählt Monika Ehrhardt-Lakomy, wie es zu dieser Geschichte gekommen ist und warum es trotz des Todes ihres Mannes auch in Zukunft noch neue Musik von ihm zu hören gibt.

Wie kommt man auf die Idee, ein Musical über einen Buchstaben zu machen?
Der Anstoß dazu kam von außen. Lacky (Reinhard Lakomy, Anm. d. Red.) und ich haben 1998 vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst den Auftrag bekommen, ein Musical zur Leseförderung zu entwickeln. Das Stück sollte Lust machen auf das Lesenlernen. Also schrieb ich die Geschichte vom eigentlich unwichtigen Ypsilon, das aus dem Lexikon abhaut. Lacky komponierte eine wunderbare Musik dazu. In der heutigen Fassung des Musicals habe ich den Traumzauberbaum als Zentrum eingefügt, er gehört als Markenzeichen zu jeder meiner Inszenierungen für das Reinhard-Lakomy-Ensemble.

In der Bühnenshow wird auch die Geschichte der Schrift wiedergegeben. Ist das Thema nicht etwas sperrig für Kinder?
Ich glaube, wenn man es richtig anstellt, kann man Kindern alles erklären. Der Traumzauberbaum hilft dabei. Ich habe das Programm so gestaltet, dass sogar Vierjährige 90 Minuten gespannt durchhalten.

Und was ist mit den Eltern?
Auch die können noch etwas lernen über die Herkunft der Buchstaben. Meine Geschichten sind immer vordergründig für Kinder, aber es sind auch immer Geschichten für Erwachsene. Und Lackys Musik ist niemals simpel.

Was genau passiert denn in dieser Geschichte?
Der Traumzauberbaum hat ein ganz besonderes Traumblatt wachsen lassen, eins mit einem blauen Ypsilon drauf. In einer zauberischen Lesenacht springt das lustige „Ypsi“ aus dem Lexikon heraus und will nicht zurück. Da wird es von der Buchstabenzauberin Alrune fortgehext nach Manhattan in New York City, die Stadt der Ypsilons. Und auf einmal fehlt es überall, auch in den Namen der Kinder. Das Ypsilon muss wieder her! Moosmutzel, Waldwuffel und die Kinder machen sich auf die weite Reise übers Meer, das Ypsilon zurückzuholen. Sie begegnen Poseidon, dem Herrscher der Meere. Er trug vor sehr langer Zeit ein Schiff übers Meer einem Schatz. Was für ein Schatz, das verrate ich hier mal nicht. Mithilfe der Kinder kann der Alrune-Zauber gebrochen werden. Und mit dem Geheimnis der Schrift finden alle den Weg nach Hause.

Bereits seit 1980 gibt es den Traumzauberbaum. Sie haben sich immer wieder neue Geschichten aus gedacht. Haben Sie nicht irgendwann genug?
Nein! Dem Traumzauberbaum werden immer neue Blätter wachsen. Ich schreibe ja auch noch für Kino und Theater und mache noch viele andere Dinge. Aber das Unternehmen Traumzauberbaum steht im Mittelpunkt. Der Traumzauberbaum muss gepflegt und gegossen werden.
Und wie wird das in Zukunft mit der Musik zu den Geschichten laufen? Ihr Ehemann ist ja 2013 verstorben.
Ich habe noch sehr viele Titel im Archiv, die ich verwenden kann. Lacky und ich waren sehr produktiv. Oft haben wir Lieder einfach beiseitegelegt, weil sie am Ende nicht in die Geschichte passten. Manche hatte ich total vergessen. Und manchmal finde ich sogar noch unveröffentlichte Lieder mit Lackys Stimme drauf. Auf Ballettmusiken kann ich auch Text legen.

Und wenn die Archivaufnahmen aufgebraucht sind?
Irgendwann werde ich natürlich mit anderen Komponisten zusammenarbeiten. Davor ist mir allerdings ein bisschen bange. Lacky konnte die Seele aus meinen Texten lesen. Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder diese Symbiose erreichen werde. Da hilft dann nur ausprobieren.

Kommen wir zurück zur aktuellen Bühnenshow. Am 17. April wird sie in Greifswald aufgeführt. Sind Sie dort auch persönlich dabei?
Greifswald zu Ostern, das wünsche ich mir. Ich genieße es eigentlich sehr, bei den Shows dabei zu sein, das Ensemble ist meine Familie. Aber die Zeit erlaubt es nicht immer.

Foto: Volkmar Otto

MITTWOCH, 18. MÄRZ 2017

Neues Leben im „Traumzauberbaum“

BERLINER KURIER von Florian Thalmann

Vier Jahre nach dem Tod von Reinhard Lakomy († 67) feiert in der UdK eines seiner Musicals Premiere

Berlin – Knapp vier Jahre ist es her, dass Berlins berühmter Kinder-Star Reinhard Lakomy (†67) an Lungen- krebs starb – Schriftstellerin Monika Ehrhardt-Lakomy (69) sorgt dafür, dass ihr gemeinsames Erbe weiter- lebt. Heute erblickt nun das neue Musical „Das blaue Ypsilon“ das Licht der Welt – am Traumzauberbaum ist ein neues Blatt gewachsen.

„Seit Januar haben wir unentwegt geprobt“, sagte Ehrhardt- Lakomy dem KURIER. „Es war wirklich viel Arbeit, aber das Stück ist toll geworden! Auch das Bühnenbild ist liebevoll handgemacht, birgt viele Überraschungen.“ Die Neuinszenierung von „Der Traumzauberbaum und das blaue Ypsilon“ war ein Herzenswunsch der Autorin. „Lacky und ich entwickel- ten es 1997 im Auftrag des Hessischen Museums für Wissenschaft und Kunst.“ Das Stück sollte Neugier wecken auf das Lesen. Also schrieb sie die Geschichte um das unwichtige Ypsilon, das wegläuft und dringend wieder eingefangen werden muss. „Man muss den Kindern heute Lust darauf machen, mit Hilfe des Lesens ganz besondere Welten zu entdecken. Die Pflege unserer schönen deutschen Sprache ist unbedingt nötig, wenn wir sie erhalten wollen.“

Knallbunten Kostümen und neue Arrangements brachten schon die Voraufführungen in Rostock und Neuenhagen die kleinen Zuschauer zum Jubeln. Nun kommt die offizielle

Premiere, los geht’s heute um 15 Uhr im Konzert- saal der Universität der Künste in der Hardenbergstraße. Auf der Bühne steht das bekannte „Traumzauberbaum“-Team: Barbara Hellmuth spielt das „blaue Ypsilon“, Olivia Winter ist Moosmutzel, Susi Wiemer ist Waldwuffel und Buchstabenhexe Alrune. Für Ehrhardt-Lakomy ist die Premiere dennoch alles andere als eine normale Aufführung. Kultursenator Klaus Lederer und Bundestags-Vize Petra Pau haben sich angekündigt – und werden vor der Show mit Buchstabensuppe aus der Gulaschkanone der Freiwilligen Feuerwehr Marzahn verköstigt.

Wenn die Gäste feiern, bedeutet das für Ehrhardt-Lakomy auch: Sie hat ein weiteres Projekt ohne ihren Lacky gemeistert. Am 23. März jährt sich der Todestag des Liedermachers zum vierten Mal. „Gerade jetzt denke ich immer an seine letzten Tage. Wir wussten beide, dass er stirbt. Ich helfe mir damit, dass ich mir immer wieder sage, dass ich ihm die Arbeit an unserem Lebenswerk widme.“ Leichter wird es dennoch nicht. „Jetzt im Frühling sehe ich die Schneeglöckchen im Garten, an denen hatte er immer so viel Freude. Ich will, dass mein Lacky unvergessen bleibt, deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt eine tolle Premiere feiern können und er auf seiner Wolke nichts zu meckern hat.“

Foto: Kai-Uwe Heinrich

DONNERSTAG, 12. JANUAR 2017

Neue Blätter am „Traumzauberbaum“

DER TAGESSPIEGEL von Erik Wenk

Das 1980 uraufgeführte Musical "Traumzauberbaum" ist Kult, nun kommt ein neues Programm auf die Bühne. Monika Ehrhardt-Lakomy erinnert sich – und schaut nach vorne.

Er ist buchstäblich ein Evergreen: Vor allem in ostdeutschen Haushalten ist es bis heute nicht schwer, eine Schallplatte oder CD mit dem runden grünen Baum auf dem Cover zu finden. Rund vier Millionen Mal wurde das Hörspiel-Lieder-Gemisch "Der Traumzauberbaum" verkauft. Mittlerweile drei Generationen wuchsen und wachsen mit der Geschichte der Waldgeister Moosmutzel und Waldwuffel auf, die mit einer goldenen Stimmgabel Traumblätter zum Klingen bringen.

"Wir haben damals nicht geahnt, dass dies der Grundstein für unsere ganze Karriere sein würde", sagt Monika Ehrhardt-Lakomy heute. Die 69-Jährige ist die Witwe des 2013 verstorbenen Reinhard "Lacky" Lakomy. Er komponierte, sie schrieb die passenden Texte. Das gemeinsame Werk lebt fort: Unter ihrer Leitung ist das "Reinhard Lakomy-Ensemble" regelmäßig unterwegs, um Kinder und Erwachsene mit immer neuen "Traumzauberbaum"-Programmen zu unterhalten. Am Sonnabend gibt es im brandenburgischen Neuenhagen, kurz hinter Berlins Stadtgrenze, eine weitere, bereits ausverkaufte Premiere: "Der Traumzauberbaum und das blaue Ypsilon" erzählt von Moosmutzels und Waldwuffels Suche nach dem verlorenen Buchstaben. Am 18. März macht das Musical Station im Konzertsaal der Universität der Künste in der Hardenbergstraße.

Über 80 Auftritte hat die 69-Jährige im Jahr

Monika Ehrhardt-Lakomy ist stolz darauf, dass die "Traumzauberbaum"-Saga noch so gut ankommt. "Ich schreibe die Texte immer für Kinder und für Erwachsene – ich finde es furchtbar, wenn sich einer langweilen muss." Ihr selbst kann das nicht passieren: Die 69-Jährige schafft mit ihrem Ensemble rund 80 Aufführungen im Jahr, schreibt Theaterstücke und Kurzgeschichten, hat gerade erst die gemeinnützige Traumzauberbaum GmbH und den Lacky-Musikverlag gegründet, in ihrer Freizeit macht sie Kickboxen – "um in Form zu bleiben".

Mit viel Kraft und Leidenschaft verwaltet sie auch den Nachlass ihres Mannes. Was beim Betreten ihres Hauses im Pankower Ortsteil Blankenburg gleich ins Auge fällt, ist ein großes Porträtfoto ihres verstorbenen Mannes über dem Kamin, direkt darunter steht eine kugelige Holzfigur des Komponisten. Nur zwei Türen weiter befindet sich das alte Tonstudio, in dem viel Spielzeug auf dem Boden liegt. "Es war Lackys Wunsch, dass hieraus ein Kindergarten wird." Seit 2014 werden zehn Kinder in der "Reinhard Lakomy-Kita" betreut. Eine der Erzieherinnen ist Olivia Winter, die bei Liveaufführungen des "Traumzauberbaums" Moosmutzel spielt – sie wohnt auch im Obergeschoss.

Das Haus ist groß, doch als die junge Balletttänzerin Monika Ehrhardt ihren späteren Mann kennenlernte, sei es nur "eine Gartenlaube" gewesen. Trotzdem gab sie ihre große Wohnung auf und zog zu ihm. Zu jener Zeit hatte Reinhard Lakomy 50 000 Ostmark Schulden, weil er sich ständig neue Instrumente kaufte. "Ich dachte, ich müsste bis an mein Lebensende tanzen, um das wieder reinzukriegen", erzählt sie und bezeichnet sich selbst als "Klassik-Zicke", die sich zunächst gar nicht für Popmusik interessiert habe – bis zu dem Tag, als sie "Heute bin ich allein" im Radio hörte, Lakomys ersten großen Hit. "Ich war wie vom Donner gerührt, erinnert sie sich, "das war kein Schlager, da sang einer mit der Seele." Lakomy spielte Jazz, komponierte Popsongs, elektronische Musik, Film- und Ballett-Musik. Texte aber schrieb er nie. Schon bevor er Monika Ehrhardt 1977 heiratete, hatte er den Plan, Lieder für kleine Hörer zu machen. "Als ich erwähnte, dass ich Kinderliedtexte schreibe und sie ihm gezeigt habe, war er ganz aufgeregt, nahm mir die Blätter aus der Hand und verschwand." Kurze Zeit später kam er wieder – mit einem Vertrag der DDR-Plattenfirma Amiga. "Auf einmal hatten wir 13 000 Ostmark – eine unglaubliche Summe."

Alles fing an mit "Geschichtenlieder mit Paule Platsch, dem Regentropfen"

Das erste Werk aus dem Hause Lakomy-Ehrhardt hieß "Geschichtenlieder mit Paule Platsch, dem Regentropfen", der Durchbruch kam 1980 mit dem "Traumzauberbaum". Der wachsende Erfolg ließ auch das Blankenburger Haus wachsen – und die Hausherrin packte ordentlich mit an. "Die Ecken da oben habe ich selber gemacht", sagt Ehrhardt-Lakomy und zeigt auf das Dach. Die einstige Ballerina hatte in der DDR auch eine Maurerlehre absolviert. Nach dem "Traumzauberbaum" folgten viele weitere Alben für Kinder, über 300 Lieder hat das Duo zusammen geschrieben. Erfolgreich waren sie immer, nur kurz nach der Wende gab es einen kleinen Popularitätsknick. 2013 dann wurde bei Reinhard Lakomy Lungenkrebs diagnostiziert, eine Chemotherapie lehnte er jedoch ab. Noch eine Woche vor seinem Tod habe er komponiert und die Umwandlung seines Studios zur Kita geplant, erzählt seine Witwe. Auch die Liveaufführungen sollten weitergehen. "Du machst das schon, Schnuppelchen", hat er da zu ihr gesagt. "Und ich hab ihm versprochen: Ich mach’s."

Ans Aufhören denkt Monika Erhardt-Lakomy noch lange nicht

Und Monika Ehrhardt-Lakomy strotzt vor Selbstbewusstsein und Tatendrang: Dieses Jahr hat sie "Die Sonne" veröffentlicht, die letzte gemeinsame CD des Künstlerehepaars, alle Kompositionen stammen noch von Lakomy. Derzeit wandelt sie einen Teil des ehemaligen Tonstudios in ein öffentliches Archiv um, in dem Lakomys sämtliche Werke und Noten für Musikstudenten zugänglich sein sollen.
Und noch etwas Großes ist in Planung: "Der Traumzauberbaum" soll 2018 als Animationsfilm ins Kino kommen. Das Drehbuch ist bereits geschrieben, Produktionsfirma ist die Schiwago Film GmbH aus Berlin, die 2012 den Indie-Erfolgsstreifen "Oh Boy" auf die Leinwand brachte. "Ein Rentnerdasein zu führen, fände ich schrecklich", sagt Monika Ehrhardt-Lakomy. "Aber ich glaube, Künstler sind niemals Rentner."

Aufführung am 18. März um 15 Uhr im UdK-Konzertsaal, Tickets ab 20,70 Euro unter www.eventim.de.

JANUAR 2016

Der Traumzauberbaum ist auf dem 1. Platz der Top20 der Kindermusik 

MAGAZIN SCHALL

 

 

DONNERSTAG, 29. OKTOBER 2015

Liebe Grüße aus dem Himmel

Berliner Kurier von Florian Thalmann

BERLIN/WELTALL – Am 4. November hätten Reinhard Lakomy und seine Frau Monika Ehrhardt-Lakomy ihren 38. Hochzeitstag gefeiert – doch im März 2013 verstarb der beliebte Liedermacher an Krebs. Jetzt bekam seine Witwe dennoch liebe Grüße von ihrem Lacky – und zwar aus dem Weltall! Im Hintergrund sieht man die Erde leuchten, vorn hängt ein Porträt von Reinhard Lakomy an der Ausguck-Scheibe der ISS. Was für ein schöner Gruß aus den dem Himmel! Der Thüringer Maler Peter Albach schickte im Rahmen der Weltraumausstellung „Der Menschenplanet“ sieben seiner Werke mit einem Kosmonauten auf die Raumstation, darunter auch das Lakomy-Bild. Jetzt kehrten die Grafiken zurück. „Das Bild flog ein halbes Jahr durch die Sterne, Lacky hat sich quasi selbst besucht“, sagte Monika Ehrhardt-Lakomy dem KURIER. „Ich konnte die ISS am Himmel sehen, am Werbellinsee vom unserem Boot aus, auf dem ich nun alleine bin. Das tat verdammt weh, als könnte ich ihn sehen, wie er da fliegt in einer Rakete! Er hat ja immer nach den Sternen gegriffen.“ Zum Beweis für die Reise trägt das Bild nun den ISS-Stempel. Lacky war übrigens in bester Gesellschaft unterwegs – zur Ausstellung gehörten auch ein Bild des Dichters Fernando Rendón und eins von Bischof Bernhard Hombach.